Hochzeitsspiele: Qual oder Vergnügen für Brautpaar und Gäste?

Brautpaar kann nicht hinsehen

Ein Programmpunkt mit Konflikt-Potenzial

„Diese Hochzeit war furchtbar!“, berichtete mir meine Freundin Anne eine Woche nach der Hochzeitsfeier ihrer Schwester. Ich war völlig überrascht, schließlich hatte ich zwei Tage zuvor die Trauzeugin der schwesterlichen Braut getroffen, die in den höchsten Tönen von der Hochzeit geschwärmt hatte: von dem traumhaft schönen Brautpaar, von der tollen Deko, dem super Wetter – und der super Stimmung, die von diversen Hochzeitsspielen rührte. Möööp! Da plötzlich dämmerte es mir, Hochzeitsspiele! Nichts hasste Anne mehr, als diese in ihren Augen völlig sinnfreien Beiträge zur Stimmungsaufhellung.

„Das Fest hätte so schön sein können“, wetterte Anne auch schon los, „aber dann musste ich wieder als Freiwillige (sie deutete Anführungsstriche an) herhalten und mir bei der Hitze so einen dämlichen Mopp auf den Kopf setzen und zu schlechter Musik einen Stuhl ergattern. ‚Ich solle mich als Schwester der Braut nicht so haben’, meinten die anderen – allen voraus natürlich meine Eltern!“

„Wie haben die Hochzeitsspiele denn den Frischvermählten gefallen?“, fragte ich vorsichtig, in der Hoffnung durch diese diplomatische Nachfrage Annes Ärger nicht noch zu steigern. „Die fanden den Mist natürlich super lustig!“, meckerte sie. Es folgte eine inbrünstig entrüstet dargebrachte Aufzählung aller „unsäglich dummen und niveaulosen“ Programmpunkte, die ich teils mitleidig, teils abwiegelnd kommentierte. Denn tatsächlich gehöre ich in Sachen Hochzeitsspiele zur äußerst seltenen Spezies der Schwankenden.

Hochzeitsspiele spalten die Gesellschaft

Meiner Erfahrung gilt für die meisten: man liebt sie oder hasst man sie. In kaum einem Punkt scheiden sich die Geister bei der Planung einer Hochzeitsfeier mehr. Die Vorteile solcher Hochzeitsspiele liegen auf der Hand: Sie verkürzen die Zeit zwischen den offiziellen Programmpunkten. Besonders für Hochzeitsgäste, die wenig andere Personen kennen und dementsprechend weniger Gespräche führen, bieten sie eine willkommene Abwechslung und bringen sie gegebenenfalls mit anderen in Kontakt. Gut präsentiert, umgesetzt und ausgewählt sorgen sie für Spaß und Stimmung bei Brautpaar und Gästen.

Aber genau hier ist der Knackpunkt: Gut präsentiert, umgesetzt und ausgewählt müssen sie eben sein. Ich war schon auf Hochzeiten, bei denen die Hochzeitsspiele mich total mitgerissen haben, allerdings habe ich auch schon Hochzeitsspiele erlebt, bei denen ich vor Langeweile fast eingeschlafen wäre oder mich so fremdgeschämt habe, dass ich Fluchtgedanken hatte.

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Die Auswahl der Hochzeitsspiele macht’s

Ich möchte an dieser Stelle keine ellenlange Liste von Hochzeitsspielen eingeteilt in gut und schlecht präsentieren, allerdings habe ich ein paar Richtlinien, die meiner Meinung nach bei der richtigen Auswahl an Hochzeitsspielen behilflich sein können:

  1. Eine Hochzeit ist kein Kindergeburtstag: Spiele wie die ‚Reise nach Jerusalem’ oder ‚Topfschlagen’ gehören einfach nicht hier hin – egal wie kindisch man sich Pegel-bedingt verhält…
  2. In der Kürze liegt die Würze: Die maximale Dauer für Hochzeitsspiele liegt finde ich bei 15 Minuten. Denn was bleibt euch positiver in Erinnerung, ein Spiel von dem man im Nachhinein sagt „..hätte noch ein bisschen länger gehen können!“, oder „…wurde gegen Ende ziemlich langatmig!“?
  3. Vorlieben des Brautpaares respektieren: Gehören Braut und Bräutigam zur Fraktion der Hochzeitsspiel-Verweigerer werden keine Spiele gemacht – Punkt!
  4. Niemanden bloßstellen: Wer glaubt, dass es Spaß bringt, das Brautpaar oder einzelne Gäste vor der ganzen Hochzeitsgesellschaft zu blamieren, dem sei gesagt: Lass es – absoluter Stimmungskiller!
  5. Originelle Hochzeitsspiele wählen: Wer schon auf drei Hochzeiten das Kutscher-Spiel gespielt hat, hat einfach kein Bock mehr drauf.
  6. Alle statt einzelne einbeziehen: Wer hasst sie nicht diese stillen Momente, in denen Freiwillige gesucht werden? Jeder versucht sich möglichst unauffällig zu verhalten und wenn dann „Opfer“ benannt werden, schwankt man zwischen Erleichterung und Mitleid… Deshalb: Erspart euch und anderen diesen Moment und wählt nur Spiele, die alle oder zumindest große Gruppen einbeziehen, zum Beispiel alle Unverheirateten, Vereinsmitglieder, usw. Gut funktionieren erfahrungsgemäß auch zwei Parteien-Spiele wie Frauen gegen Männer, Gäste der Braut gegen Gäste des Bräutigams,…

Hochzeitsspiele nicht überbewerten

Aber egal, wie viele Gedanken sich ein Hochzeitsgast oder auch das Brautpaar selbst bei der Vorbereitung der Hochzeitsspiele macht – eine Garantie, dass die sie gut ankommen gibt es sowieso nicht. Zumindest habe ich beobachtet, dass wenn auf einer Hochzeit keine Stimmung aufkommen will, ein Hochzeitsspiel auch keine Wunder bewirkt. Wenn dagegen die Stimmung sowieso schon gut ist, kann ein Spiel sie weiter anfeuern, ihr aber auch einen Dämpfer verpassen.

Jeder Spiele-Organisator sollte versuchen, die Situation ehrlich einzuschätzen und dann spontan entscheiden, ob er seinen Plan durchziehen will – was angesichts der hineingesteckten Mühen verständlich ist – oder ob er vielleicht doch aufgrund der Gegebenheiten besser auf sein vorbereitetes Spiel verzichtet. Schließlich steht immer im Vordergrund, dem Brautpaar einen unvergesslichen Tag zu bereiten.

Eure Caro vom Mein Extrablatt-Team

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